Weiterleben ohne Alkohol – Von der Überholspur in den Entzug?
Shownotes
In dieser Folge sprechen wir mit Verena Titze, Autorin, Podcasterin und Kabarettistin, über Burnout, Alkoholkonsum und den Umgang mit Stress. Verena gibt Einblicke in ihre persönliche Geschichte und erzählt, wie sie mit den Herausforderungen von Burnout und Suchterkrankungen umgegangen ist. Wir diskutieren, welche Schritte hilfreich sein können, um aus belastenden Situationen auszubrechen, welche Strategien den Alltag erleichtern und wie man gesunde Grenzen setzen kann. Außerdem thematisieren wir die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol, den Umgang mit Peer Pressure und wie wichtig auch die Unterstützung durch das eigene Umfeld ist.
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Produktion und Redaktion: Sucht- und Drogenkoordination Wien
Jingle und Musik: Alfred Peherstorfer
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00:00:01: Alexandra: Hallo. Es ist wieder so weit. Rauschzeit. Wir sprechen offen über Substanzen, Konsum und psychische Gesundheit. Gemeinsam mit Menschen, die sich auskennen. Wir wollen uns informieren und Vorurteile abbauen. Und wir sind uns sicher, dass wir damit nicht alleine sind. Heute mit mir Alexandra
00:00:20: Natalia: und mit mir Natalia.
00:00:23: Alexandra: Wir sprechen heute auch über Themen, die von manchen Menschen als belastend empfunden werden. Mehr Infos zu dieser Folge findest du in den Shownotes. Wenn du dir unsicher bist, höre sie ein anderes Mal oder nicht alleine.
00:00:40: Alexandra: Willkommen bei Rauschzeit
00:00:41: Natalia: Ja, Herzlich willkommen zurück. Wir sind heute hier mit einer Specialfolge.
00:00:46: Alexandra: Was macht diese Folge so special, Natalia?
00:00:48: Natalia: Wir sitzen heute nämlich, wie ihr sehen könnt, nicht nur vor Mikrofons, sondern wir sitzen auch vor der Kamera. Das heißt, wir zeigen zum Ersten Mal unsere Gesichter.
00:00:58: Alexandra: Also sehr schön, dass ihr hier seid und auch ganz besonders sehr schön, dass du da bist, Verena. Verena Titze ist heute unser Gast. Eine Erfahrungsexpertin, die uns heute erzählen wird, wie es wirklich ist. So offen über die eigenen Erfahrungen zu sprechen.
00:01:13: Verena: Ja, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr.
00:01:15: Natalia: Herzlich willkommen, liebe Verena. Möchtest du uns vielleicht erzählen, wer du bist und was du so machst?
00:01:22: Verena: Ja, das ist schon mal eine große Frage. Was mache ich so? Also ich heiße Verena Titze, bin 38 Jahre alt und mittlerweile bin ich Autorin, Podcasterin, Kabarettistin und setze mich sehr ein für Themen wie Alkoholismus, Burnout, mentale Gesundheit. In all meinen Projekten dreht sich eigentlich um diese Themen. Und ja, vor meinem Burnout war ich Journalistin und PR Managerin und es fühlt sich alles sehr weit weg an, also mittlerweile ist es wie ein ganz anderes Leben. Es sind irgendwie zwei Leben, die ich da so vor mir liegen habe und fühle mich sehr angekommen, da wo ich jetzt bin.
00:02:09: Alexandra: Und sehr schön, dass du heute bei uns bist.
00:02:11: Verena: Dankeschön! Ich freue mich sehr.
00:02:12: Alexandra: Hier bei der Aufnahme auch angekommen bist. Wir haben jetzt schon gehört, du machst das auf den verschiedensten Kanälen. Also du sprichst offen im Podcast, auf der Bühne, aber auch in deinem Buch. Und zu diesem Buch darf ich jetzt gleich eine Frage stellen?
00:02:25: Verena: Ja, sehr gerne.
00:02:26: Alexandra: Das steht nämlich auf der ersten Seite. Dies ist meine Geschichte. Sie ist frei erfunden und vollkommen wahr. Das klingt jetzt zuerst ein bissi wie ein Widerspruch. Darf ich dich fragen, wenn wir jetzt heute über dieses Buch sprechen, spricht darin Verena Titze oder eine Kunstfigur?
00:02:44: Verena: Das ist eine schwierige Frage. Also diese zwei vermischen sich sehr gerne. Genauso wie es dasteht. Also es kann beides sein. Vieles hole ich natürlich aus meiner Geschichte, aus meiner Vergangenheit. Aber die Grenzen verwischen zwischen Realität und Fiktion. Und auch auf der Bühne ist es zum Beispiel so, im Podcast nicht. Also im Podcast erzähle ich wirklich von meinen Erfahrungen. Das finde ich auch ganz wichtig. Aber zum Beispiel auf der Bühne ist ja auch Verena Titze. Aber sie ist eine Kunstfigur. Also es gibt beides. Ja.
00:03:18: Natalia: Und du sprichst sowohl im Buch als auch in deinem Podcast über die Themen Burnout und Alkohol, Alkoholkonsum, Alkoholerkrankung. Wie war das denn bei dir? Wie hat sich das gezeigt?
00:03:32: Verena: Das Burnout oder die (Alkoholerkrankung)?
00:03:34: Natalia: Beides gerne.
00:03:37: Verena: Ja, also das Burnout, das hat sich so gezeigt, dass ich überhaupt keine Wahl mehr hatte, als in ein Krankenhaus zu fahren. Ich konnte mich an einem Tag einfach gar nicht mehr bewegen. Also bei mir war alles aus. Ich hatte auch ganz, ganz schlimme Konzentrationsschwierigkeiten. Also ich konnte mich überhaupt nicht mehr fokussieren. Ich weiß noch, damals habe ich einfach nur noch meine Mama angerufen und hab gesagt „hol mich bitte ab, wir müssen in das Spital“. Also es ist aus. Ja, also bei mir kam dieses Burnout nicht schleichend. Obwohl es gab sicher Vorlauf, wo es mir schon sehr schlecht ging. Ich war sehr gestresst, ich habe sehr viel getrunken usw., aber dann kam halt so ein Tag, an dem einfach mein Körper gesagt hat es reicht, es ist aus, es ist vorbei. Ja und dann ist meine Mama mit mir in ein Krankenhaus gefahren und die haben mir damals eine Halskrause verpasst und haben halt mir Schmerzmittel gegeben und haben gemeint, soll ich halt wieder nach Hause gehen und mich ein bisschen entspannen. Und ja, so, so hat das aber nicht funktioniert. Also auch die Ärzte wussten nicht genau, was ich habe. Und da sind wir auch schon bei einem wichtigen Punkt. Ich glaube, oft wird es dann gar nicht erkannt, was da dahintersteckt. Also Burnout ist gar nicht so einfach zu erkennen. Und meine Hausärztin hat dann irgendwann mal gesagt „Ja, da scheint mehr dahinter zu sein als nur Rückenschmerzen“. Und von da an, ich glaube, ich war dann im Krankenstand über ein Jahr lang. Also ich bin da nicht schnell wieder rausgekommen aus diesem Burnout und da hat eine sehr lange Reise der Heilung angefangen. Zu dieser Zeit.
00:05:16: Natalia: Und welche Rolle spielte da der Alkohol? Zu der Zeit auch?
00:05:20: Verena: Ja, also ich habe super viel getrunken. Ich habe in meinen Zwanzigern auch schon sehr viel getrunken und damals war das alles quasi noch normal unter Anführungszeichen, weil es war halt am Wochenende viel Party und das hat sich dann gesteigert. Unter der Woche immer ein bisschen mehr oder ein paar Spritzer hier und da und irgendwann war es fast täglich. Es war nicht täglich, aber fast. Und es hat insofern eine Rolle gespielt, dass ich ja sehr gestresst war. Und der Alkohol hat ja vermeintlich meinen Stress mir genommen. Also ich habe mich entspannt nach drei Gläsern Wein, das ist ja auch so Alkohol entspannt dich ja auch. Das Problem ist: die Probleme oder der Stress, der da ist, der ist ja dadurch dann nicht weg, sondern du hast ihn nur verschoben. Du hast ihn einfach weggetrunken, aber du hast ihn nicht geheilt oder so. Und das war ein Teufelskreis, weil ich habe immer mehr Stress gehabt, immer mehr getrunken. Das Trinken per se fördert ja dann auch so was wie Depression oder Angstzustände. Also das macht ja alles eigentlich nur schlimmer. Das wusste ich nicht. Aber es hat alles eigentlich nur schlimmer gemacht. Und auch mein Podcastpartner, der Professor Musalek, der ja Suchtexperte ist, der sagt Burnout und Alkohol gehen Hand in Hand. Also sehr oft ist das ein Paar, dass man Stress und Burnout eben versucht zu behandeln, selbst, mit Drogen oder Alkohol, um eben das zu regulieren, diesen Stress. Aber das funktioniert eben überhaupt nicht.
00:06:52: Natalia: Das heißt, du hast ja ein bisschen erhofft, durch den Alkoholkonsum zu entspannen. Das war sein Motiv dahinter. Gab es noch andere Motive oder Gründe, wieso du Alkohol getrunken hast?
00:07:04: Verena: Ja, sicher. Also, es hat mich entspannt. Ich habe gedacht, es macht mich viel mutiger. Und charmanter. Und ich habe es auch in meinen Beziehungen genutzt, dass ich eben Männer zum Beispiel ansprechen kann. Also das ist mir alles erst im Nachhinein klargeworden, wie sehr ich meinen Blick verklärt habe in so vielen Richtungen. Ja, also Alkohol war für mich wie ein Allheilmittel. Also am Abend ging es mir schlecht, ich habe getrunken. Am Abend wollte ich was feiern, mir ging es sehr gut, habe ich getrunken. Also der Alkohol war für ganz viele Dinge gut. Unter Anführungszeichen. Und ich habe nicht gemerkt, dass ich eigentlich ihn immer mehr brauche, um ein glücklicher Mensch zu sein oder ein mutiger Mensch zu sein. Und das ist ja nicht echt. Also das ist ja nicht wahr. Aber der Alkohol hat mir das halt vorgespielt und ich habe ihn immer mehr gebraucht für ganz viele Dinge.
00:07:59: Alexandra: Darf ich dich fragen, war FOMO also Fear Of Missing Out, die Angst, etwas zu verpassen? War das bei dir auch ein Thema?
00:08:06: Verena: Ganz stark, sehr. Ja, war auf jeden Fall ein Thema. Also ich konnte überhaupt nicht mehr zu Hause sitzen. Ich wollte nichts verpassen. Also ich war immer ganz vorne mit dabei, sogar. Und ich weiß auch noch, es gab sogar Abende, wo dann Leute mir zum Beispiel abgesagt haben und ich mir gedacht hab, das geht nicht, ich kann nicht alleine zu Hause sitzen, ich muss was erleben. Also ich muss rausgehen und na klar, wenn es irgendwo eine Party gab oder ein, wo Freunde sich getroffen haben, Freundinnen, wollte ich unbedingt dabei sein. Also das hatte ich sehr stark. Ich bin aber jetzt draufgekommen über jahrelange Therapie, dass das auch was mit Selbstwert und Selbstliebe zu tun hat. Also dass man sich so ans Außen klammert und glaubt, man muss überall dabei sein. Das ist eigentlich auch, wenn man einen geringen Selbstwert hat, oder, ich rede jetzt von mir, also so was bei mir jetzt zum Beispiel bin ich ziemlich entspannt. Also jetzt muss ich überhaupt nicht mehr alles mitbekommen oder auch ganz toll und neu bei mir, wenn ich auf einer Party bin, weil ich gehe wieder auf Partys, gehe ich einfach, wenn es nicht mehr lustig ist. Das war früher nicht möglich. Also ich habe mich dann betrunken, um Spaß zu haben. Also die Party war langweilig, die Party war fad, und dann trinke ich einfach noch fünf Spritzer mehr und dann wird's schon irgendwann lustig werden. Ich war immer die Letzte. Und jetzt weiß ich, wenn es mir nicht mehr gefällt, geh ich nach Hause und schlafe mich aus. And that’s it. Und das ist eine ganz andere Art des Lebens, wenn man da sich entspannt eben zurückziehen kann, auch.
00:09:41: Alexandra: Das heißt Spaß ohne Alkohol geht?
00:09:44: Verena: Oh ja, geht auf jeden Fall.
00:09:45: Alexandra: Fortgehen, ohne Alkohol geht auch?
00:09:47: Verena: Geht auch, ja.
00:09:48: Alexandra: Wunderbar.
00:09:49: Verena: Also was natürlich sich ändert ist, wenn alle um dich rum dann betrunken sind. Irgendwann ist es dir einfach langweilig, weil die Gespräche werden, es sind immer dieselben und die Witze sind auch nicht mehr lustig und dann kann man gehen. Und was ich hier sagen kann ist, man verpasst dann nichts mehr. Also an dem Zeitpunkt, wo eh alle betrunken sind, da verpasst du nichts mehr. Du kannst nach Hause gehen und am nächsten Tag bist du ausgeschlafen und hast dich ausgeruht und es ist perfekt und du warst trotzdem dabei und du hast trotzdem Spaß gehabt. Also das ist wirklich etwas, was ich jedem und jeder empfehlen kann.
00:10:25: Alexandra: Neben FOMO, etwas, das wir wahrscheinlich alle zu einem gewissen Grad zumindest kennen. Also die Angst, etwas zu verpassen, wenn wir jetzt nicht mit fortgehen oder wenn wir jetzt nicht mit dabei sind. Irgendwo ist einer der Begriffe, der einen auch zum Trinken führen kann: Peer pressure, also das Umfeld lebt was vor und man hat ein bisschen Druck da mit zu machen. War das auch ein Thema bei dir?
00:10:51: Verena: Ja, sicher. Also ich war zwar immer eine derjenigen, die immer vorne mit dabei waren, aber mein Umfeld natürlich auch. Also man sucht sich ja auch Leute, die dann mit dir mittrinken. Und da gab es viele, die halt so viel getrunken haben wie ich. Oder man ist in der Bar, alle trinken um dich rum. Natürlich willst du mitmachen. Ja, aber bei mir war es eben so, dass ich eher diejenige war, die andere ermutigt hat, noch mehr zu trinken. Also da muss ich ein bisschen auf mich selbst schauen. Das bzw. da muss ich einfach so ehrlich sein und sagen, ich war die, die auch Peer Pressure an anderen ausgeübt hat, weil ich sehr viel getrunken habe. Was ich jetzt merke, seit ich nüchtern bin, ist eher, dass Menschen dann sagen: aha, du trinkst nichts und warum und wieso und geh ein Glaserl oder so. Sogar wenn sie Bescheid wissen, dass ich nicht mehr trinken kann. Das ist auch eine Form von Peer Pressure. Aber dadurch, dass ich jetzt so gestärkt bin, stört es mich einfach jetzt nicht mehr. Ja, also es hat auch das hat sich sehr stark geändert. Es kann mir einfach nichts mehr anhaben. Aber wenn man jünger ist, glaube ich, gibt es einfach diese Peer Pressure sehr stark und das verstehe ich nur zu gut, dass man da einfach mitmachen möchte.
00:12:11: Natalia: Hast du Tipps? Vielleicht auch für junge Menschen, wie man mit diesen Peer Pressure umgehen kann oder wie das Umfeld umgehen könnte?
00:12:19: Verena: Ja, also was super wichtig ist, ist, dass man nicht ganz allein ist, sondern zum Beispiel vielleicht hat man eine beste Freundin oder den besten Freund oder irgendjemand, der sagt: Okay, weißt du was, ich trink mit dir nichts. Solche Menschen kann man sich ja auch suchen. Also ich weiß noch, zu meiner Zeit, als ich aufgehört habe, ich musste mich schon entziehen aus den Kreisen, weil was super schwer ist, ist, wenn du in die Bar gehst und ein zuschaust beim Trinken und du darfst nicht. Das ist fast unmöglich. Also das ist eine sehr schwierige Situation. Also ein Tipp wäre, wenn du weißt, an dem Abend trinken alle und du möchtest jetzt mal eine Pause machen, dann vielleicht gehst du da nicht hin, sondern suchst dir wen anderen und gehst ins Kino oder Tennis spielen oder zum Yoga oder was auch immer dir Spaß macht. Such dir was Lustiges, Cooles, weil zu Hause alleine sitzen, das macht auch unglücklich. Also das wollen wir ja nicht. Das heißt buch dir eine Sportstunde oder was auch immer es ist, was dich glücklich macht. Also der erste Tipp ist: finde Verbündete.
00:13:23: Natalia: Such dir etwas, was dir Spaß macht.
00:13:25: Verena: Jetzt ist es schon der zweite Tipp Such dir etwas, das dir Spaß macht. Ja und lege auf jeden Fall eine Pause ein, wenn es einfach zu viel wird. Das war bei mir ganz wichtig und ich würde sagen, neue Hobbys haben mich auch gerettet, weil was halt nicht funktioniert ist dich nur zu entziehen, weil da kommt ja wieder die FOMO, oder? Also wenn du dich nur entziehst und nicht mitmachen kannst, fühlst du dich sehr alleine. Wenn du neue Hobbys hast, dann lernst du vielleicht auch neue Leute kennen. Es sind ja vielleicht nicht alle süchtig, so wie ich es war. Also das heißt, vielleicht kannst du einmal schon mit diesen Freunden ausgehen und auch was trinken gehen oder so, aber dann such dir andere Hobbys auch. Das war mein Problem, dass mein Hobby trinken war. Also das heißt viermal die Woche war trinken das Hobby und das ist saugefährlich. Also das geht sich dann irgendwann mal nicht mehr aus.
00:14:15: Natalia: Und wir haben jetzt ganz viel darüber gesprochen, dass es diesen Peer Pressure gibt, also dass es sozusagen den Pressure gibt, manchmal mitzutrinken, mitzufeiern, dass das sehr akzeptiert ist und da besteht einfach ein gewisser Druck. Druck gibt es ja, aber nicht nur im privaten Setting. Es gibt ja auch in der Arbeitswelt. Wie war denn das bei dir? Heute Bist du in der Kulturszene. Du hast gesagt am Anfang, das fühlt sich so ein bisschen an wie zwei verschiedene Leben. Das Davor und das Jetzt. Wie war das damals? Welchen Einfluss hatte deine Arbeit auf dein Burnout und auf die Entwicklung?
00:14:52: Verena: Ja. Ja, sehr viel. Die Arbeit damals war unglaublich stressig und es gab eine sehr stressige Kultur, auch in der Firma, in der ich war. Also es war: alles musste sofort erledigt werden. Sehr viel Druck von außen, dann immer mehr Verantwortungen, immer weniger Freizeit, also wieder muss ich da aber betonen: Ich hatte eben auch einen recht geringen Selbstwert und habe nicht sagen können Stopp, ich, ich höre jetzt auf oder ich kündige, sondern ich habe mich dem ausgeliefert gefühlt und hab da einfach dann mitgemacht. Also habe immer mehr gearbeitet, immer weniger auf mich geschaut. So was wie Sport war gar nicht mehr möglich, weil ich keine Zeit hatte. Und wenn ich Zeit hatte, bin ich eben in die Bar gegangen und hab was getrunken. Und das ist ein ganz fataler Kreislauf Teufelskreis, den man da durchläuft. Und natürlich, wenn man Pech hat und Vorgesetzte hat, die einen sehr unter Druck setzen und auch noch fies sind und wirklich gemein zu einem sind, dann ist das einfach sehr schwierig für die Psyche auszuhalten. Also wenn dir immer wieder jemand auch sagt, du bist nicht gut genug oder du machst das nicht gut genug oder du musst noch mehr leisten und noch mehr arbeiten. Und das, das ist einfach unglaublich viel Last auf den Schultern. Und es gibt schon verschiedene Unternehmen. Also manche achten ja darauf, dass es den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen gut geht, andere nicht so leider. Immer noch. Ja, das hat eine sehr große Rolle bei mir gespielt, weil ich da sehr viel Druck gespürt habe.
00:16:32: Natalia: Und wie ist es heute? Wie gehst du heute mit Druck, Leistungsdruck, vielleicht auch um? Oder Stress? Was hat sich geändert?
00:16:39: Verena: Na ja, also ich bin jetzt meine eigene Chefin. Das ist schon mal sehr positiv, aber da gibt es natürlich andere Faktoren, die Stress machen. Also ich möchte ja auch weiterhin erfolgreich sein in meinem Beruf und Geld verdienen usw. und Deadlines muss ich auch treffen und solche Dinge aber, also schon allein, dass ich nüchtern bin und sehr auf mich achte und ich geh weiterhin auch in Therapie, mache sehr viel Sport usw. Yoga und was weiß ich nicht alles. Ich bin jetzt so anders aufgestellt, dass ich mit Druck ganz anders umgehen kann, weil ich merke aha, jetzt geht's mir schlechter und jetzt bin ich sehr gestresst. Jetzt muss ich mal darauf achten: Wie geht's mir denn? Brauche ich eine Pause? Was kann ich für mich tun, damit es mir besser geht? Damit ich auch wirklich dann wieder weiter gut arbeiten kann? Weil ich möchte ja weiterhin arbeiten und bin auch super happy mit meiner Arbeit. Und das sind aber lauter Dinge, die ich über die Jahre jetzt gelernt habe. Eben in Therapie, in der Reha, was auch immer es ist. Also das ist weiterhin ein Weg, den ich gehe, weil ich bin immer noch jemand, der gerne viel arbeitet, aber ich achte halt viel mehr darauf jetzt.
00:17:58: Alexandra: Das heißt, Verena ist eine Chefin, die darauf achtet, dass es ihren Mitarbeiterinnen gut geht.
00:18:03: Verena: Ja, ja, und allen Menschen, mit denen ich arbeite oder mit denen ich zusammentreffe, möchte ich, dass es allen gut geht. Also für mich ist das Wichtigste jetzt einfach Wertschätzung und auch Arbeit auf Augenhöhe und solche Dinge. Ich finde, das gibt es einfach in manchen Konzernen immer noch nicht. Und es ist unglaublich wichtig, dass wir einfach wertschätzend und gut miteinander umgehen und respektvoll miteinander umgehen. Also egal wie stressig eine Situation ist oder egal was das für ein Projekt ist, auch Fehler passieren mir weiterhin ständig. Das ist halt so aber, wenn man sich dann selbst mit ein bisschen Compassion, also mit Mitgefühl, auch zu sich selbst begegnet, geht das alles ein bisschen einfacher und besser.
00:18:47: Alexandra: Und wer eine ist auch eine Chefin, die mal zulässt, dass man nicht erreichbar ist. Ist ständige Erreichbarkeit bei dir noch ein Thema?
00:18:54: Verena: Ja, ja, das ist ein Thema. Das Handy ist auch ein Thema. Also ich versuche aktiv das Handy wegzulegen. Wenn ich zum Beispiel auch spazieren gehe, lasse ich es zu Hause, absichtlich. Weil ich bin auch gefährdet was das Handy angeht, dass ich halt eben Social Media mir anschaue oder was auch immer oder ständig erreichbar bin. Also das ist ein Weg, das ist ein Weg und das ist was sehr wichtig, dass man nicht ständig erreichbar ist und das ist ja momentan in unserer Gesellschaft schwierig umzusetzen, weil wir sind einfach sehr an unser Handy gebunden und ich mache da ganz absichtliche Pausen dann oder geh in den Flugmodus und solche Dinge, damit ich nicht ständig erreichbar bin.
00:19:37: Alexandra: Ich glaube, zwei dieser Themen, die wir heute schon gehabt haben, gerade Fear of Missing Out, FOMO, und Peer Pressure sind auch etwas, die das Handy ja doch befeuern kann. Also ich merk schon, auf Instagram zum auch schauen oder sonstigen sozialen Medien. Wenn ich dann sehe, dass die Menschen fortgehen in meinem Umfeld, dann denkt man sich vielleicht schon einmal, wäre ich da jetzt nicht auch gern dabei?
00:20:01: Verena: Ja, sicher. Und wenn man nicht aufs Handy schaut und es nicht mitbekommt, ist es viel einfacher zu entspannen, oder?
00:20:07: Natalia: Also das ist auch so ein Teufelskreis, weil ich schaue ja aufs Handy und habe das Gefühl, ich verpasse Sachen, aber mache in dem Moment auch keine Sachen, weil es mich davon abhält sozusagen. Also ich leg das Handy nicht weg und gehe nicht spazieren, sondern ich bin drauf und ich denke, ich sollte was Anderes machen.
00:20:23: Verena: Ja, ja, absolut. Also da ist auch der bewusste Umgang, glaube ich wichtig, dass man bewusst merkt aber habe ich jetzt drei Stunden auf TikTok verbracht und wie geht es mir damit? Geht es mir gut damit? Vielleicht nicht. Vielleicht ist es mal wichtig es wegzulegen und eben einen Spaziergang zu machen oder was Anderes zu machen. Deswegen auch so Hobbys, wo man das Handy nicht in der Hand haben kann. Ob es eben Tennisspielen ist, Basketball oder ist mir egal, was auch immer. Das ist super, weil da bist du im Moment, da bist du im Moment und machst das und vielleicht eben auch noch mit Leuten, die gleich gesinnt sind. Das ist super. Es ist ganz wichtig.
00:21:00: Natalia: Was ich mir jetzt so von deiner Erzählung bis jetzt bisschen mitnehme, ist: es fühlt sich so an, als hättest du dich gut kennengelernt in dieser Genesungsphase oder in dieser durch und durch Zeit, die du gegangen bist. Du sprichst ja ganz viel, eben sowohl im Privaten als auch jetzt in der Arbeit von diesen Grenzen setzen. Das muss man ja auch mal erfahren. Wo sind meine persönlichen Grenzen, wahrscheinlich? Und sich selbst eben Kennenlernen? Oder was sind Hobbys, die mir Spaß machen? Das ist ja nicht so leicht, das herauszufinden.
00:21:32: Verena: Nein, das dauert. Das ist halt das Blöde oder das ist es halt. Ich bin jetzt seit fünf Jahren in Therapie und seit bald oder seit vier Jahren nüchtern und es ist immer noch ein Prozess. Aber zum Beispiel ich im ersten Jahr, also ich nüchtern war, denn man hat ja plötzlich auch so viel Zeit. Ich habe Gitarre gespielt, ich habe in einem Chor gesungen, ich habe eben Tennis ausprobiert, ich habe Klavier ausprobiert, ich war Kitesurfen. Also ich habe verschiedene Dinge ausprobiert und ich zum Beispiel jetzt, derzeit habe ich keine Zeit für den Chor, auch wenn es mir sehr Spaß gemacht hat. Aber es ist wieder weggefallen. Aber das ist ja wurscht. Es darf auch wegfallen. Also versuch's. Probier‘ es, spielt die Flöte oder was auch immer. Oder du kannst doch verschiedene Sportarten ausprobieren. Ich habe jetzt eine App, wo ich verschiedene Anbieter ausprobieren kann und möchte jetzt ein bisschen mit Kampfkunst beginnen. Ja, und wenn es nicht klappt ist das auch egal. Also ist ja, ist ja egal, aber du hast es ganz richtig gesagt. Also es ist ein Ausprobieren. Es ist ein Schauen. Was macht mir Spaß? Es ist übrigens dasselbe bei Freundschaften, weil ich habe jetzt einige neue Freundschaften. Ich habe viele verloren durch diesen Weg, weil ja klar, die in der Bar, die habe ich nicht mehr. Auch da ist es okay, wenn man jemanden kennenlernt und ein paar Monate läuft es gut und dann vielleicht doch nicht. Das ist wie in romantischen Beziehungen dürfen auch Freundschaften entstehen, aber auch wieder wegfallen oder sich vertiefen oder auch nicht. Also dass man da ein bisschen loslässt vom Outcome.
00:23:12: Alexandra: Also auch bei diesen beiden Themen hast du den Druck ein bisschen rausgenommen?
00:23:15: Verena: Ja, ja, voll ja. Also ich habe mir überhaupt überall ständig Druck gemacht. Also das ist sehr förderlich fürs Burnout. Dass man sich überall Druck macht und das ist ganz wichtig, sich immer wieder zu besinnen. Ich darf in allen Bereichen ausprobieren und besonders ich bin jetzt 38, also und ich mache das Alles gerade neu, das heißt in den Zwanzigern oder sogar noch früher: Bitte alles ausprobieren und alles fallen lassen, was gerade keinen, keinen Spaß macht. Also ich sage nicht, man soll alles loslassen, besonders wenn es irgendwas Cooles ist. Zum Beispiel Ich weiß nicht, bei Tennis hat es auch ein paar Stunden gebraucht, bis ich es ein bisschen besser konnte. Also ein bisschen dranbleiben ist auch gut. Aber ja, ein bisschen Freiheit. Sich selbst geben.
00:24:06: Natalia: Sowohl im Beruf. Wahrscheinlich, weil es dauert. Wahrscheinlich auch bei manchen länger. Vielleicht, bis ich den Beruf finde, der zu mir passt, der zu meinem Leben passt. Der zu meiner Phase Vielleicht passt. Also da den Druck zu nehmen und eben auch bei Hobbys als auch das merke ich in meinem Umfeld tatsächlich, dass es manchmal so einen Druck gibt, dass ich dieses eine Hobby finde, wo ich super gut drinnen bin. Darum geht es ja nicht einmal bei einem Hobby. Es geht um Spaß, es geht um Entspannung. Vielleicht je nachdem, was du gerade brauchst. Aber ich denke, dass wir dennoch in dieser Leistungsgesellschaft manchmal so fest gefangen sind, dass wir das auch ins Private übertragen und uns zu viel Druck machen.
00:24:47: Verena: Ja, absolut. Oder Man muss besonders gut dann Tennis spielen oder besonders gut beim Yoga. Yoga soll das Gegenteil sein. Also man muss nicht die Beste im Yoga sein. Ich rede jetzt von meiner Erfahrung, sondern es geht darum, eben nicht eine Competition aufzubauen, sondern ganz im Gegenteil das genießen zu können. Und dafür ist auch ein Hobby da. Also dass ich diesen Druck, den ich vielleicht im Job hab oder von wo auch immer her, ja, dass ich den loslasse. Genauso der Druck: Ich muss jetzt heiraten und Kinderkriegen, auch den etwas loslassen. Muss man alles nicht. Und ich glaube, es ist so wichtig, dann sich zu fragen „Was will denn ich? Was will ich? Will ich heiraten? oder was will ich leben für eine Art von Beziehung?“ und nicht nur im Außen schauen, wie es die anderen machen, was auch immer das ist. Ob jetzt alle in Dreiecksbeziehungen sind und polyamorös sind oder alle sind verheiratet, egal, frage dich, was du willst und das ist gar nicht so einfach. Das klingt einfach und es ist gar nicht so! Ich frage mich das seit Jahren und ich komme immer wieder auf neue Dinge drauf und immer wieder komme ich auf eine Schicht, wo ich sage, das ist was Gesellschaftliches. Also das ist mir von außen auferlegt worden.
00:26:01: Alexandra: Liebe Verena, wann hast du denn, kannst du das festmachen, wann und wie hast du entschieden, dass du offen über all diese Themen reden willst?
00:26:10: Verena: Ja, das ist nach und nach eigentlich passiert. Es ist mir irgendwie passiert. Ich habe damals eben das Buch geschrieben, das erste Buch. Und weil meine Therapeutin meinte, so Verena, das was du da durchmachst, das passiert vielen oder vielen geht es so wie dir und möchtest du nicht deine Geschichte vielleicht aufschreiben? Und das war der erste Schritt. Also da gab es dann das Buch und da hatte ich schon Ängste, so im Sinne von: Oh Gott, will ich mit diesem Buch überhaupt rausgehen? Und aus dem Buch heraus entstand aber dann eben die Arbeit an dem ersten Soloprogramm. Also, dass ich es auf die Bühne bringe und da war ich zuerst auch so: Oh mein Gott, kann ich das auf eine Bühne bringen? Aber ich weiß nicht, ob es da tabu und so schlimm und bla bla bla. Und andererseits hatte ich aber einen ganz starken Drang, es zu tun und habe mir auch gedacht, wenn ich das erzähle, kann ich da ganz viele Menschen abholen, die dann vielleicht auch sich trauen, darüber zu reden oder sich trauen, Hilfe zu holen. Oder sich trauen, einfach mal sich dem zu stellen. So, hoppla, Erstens habe ich, habe ich vielleicht zu viel Stress? Geht es mir überhaupt gut? Und zweitens trinke ich vielleicht zu viel oder jemand in meinem Umfeld? Und genauso war es dann auch. Also die Resonanz war dann so unglaublich toll. Gleich bei meiner ersten Premiere und dann kamen Menschen auf mich zu, die eben gemeint haben, ob man da nicht einen Podcast machen kann.
00:27:41: Verena: Dann ist das passiert. Dann gab es den Podcast mit dem Herrn Professor Musalek, den gibt es ja immer noch. Musalek und Titze und und dann kam jetzt also das neue Soloprogramm, das heißt eben „Erfolgreich ins Burnout“. Das spiele ich. Und da geht es natürlich auch um diese Themen. Ja, es ist quasi eine Anleitung, wie man besonders schnell in ein Burnout gerät. Ja, natürlich mit einem zwinkernden Auge. Aber das hat sich alles so entwickelt und auch auf TikTok merke ich einfach, wie viel Rückfragen da kommen und wie sehr die Menschen sich eigentlich danach sehnen, darüber zu reden oder auch Infos zu bekommen oder denen es einfach so geht wie mir. Also es geht glaube ich ganz vielen Menschen so wie mir und deswegen ist es super schön im Sinne von Ich finde es schön, wenn sie darüber reden können und sich Hilfe holen, weil ich glaube, das Schlimmste was wir tun können, ist uns zu schämen und alleine zu bleiben, weil das ist das gefährlichste, weil dann trink ich einfach noch mehr und besonders bei mentalen Geschichten. Deswegen auch euer Podcast ist so wichtig, so schön, dass ihr das macht. Besonders bei mentalen Geschichten ist es ganz gefährlich, alleine zu bleiben und ganz wichtig sich Hilfe zu holen. Ob es Therapie ist oder Reha oder auch erst mal nur mit Freunden darüber reden, Freundinnen. Diese Schamkiste, das ist das Allerschlimmste. Und dagegen arbeite ich mit meinen Sachen.
00:29:15: Alexandra: Und danke dir, dass du das machst. Und danke, dass du auch bereit bist, mit uns deine Geschichte zu teilen. Das freut uns sehr.
00:29:20: Verena: Danke. Ich freue mich auch.
00:29:23: Alexandra: Du hast jetzt schon berichtet. Es gibt sehr positive Resonanz. Ja, wenn ich fragen darf: Wie haben denn Familie und Umfeld reagiert?
00:29:33: Verena: Gemischt, äh, gemischt. Es gab natürlich Menschen, die damit nicht umgehen konnten, was ich aber auch nicht verurteile, weil ich wusste ja auch nicht, wie man damit umgeht. Das weiß ich jetzt nach vielen Jahren. Aber, als ich ins Burnout ging und als ich dann wusste, okay, das mit dem Trinken, das ist ein Problem, es ist wirklich ein Problem, weil das habe ich ja lange geleugnet. Habe ich eben Freundschaften verloren, zum Beispiel, Menschen verloren in meinem Umfeld. Meine Familie war glaube ich überfordert. Also die wussten irgendwie nicht so recht, was da jetzt los ist. Ich habe ja bei meiner Mama dann gewohnt, weil ich konnte ja nicht einmal alleine leben. Ich hätte nicht Wäsche waschen können, Essen kochen. Also ich war sehr out of order. Sie hat sich um mich gekümmert, aber sie wusste nicht, was da los ist. Also vor über fünf Jahren war Burnout auch noch viel mehr tabu als jetzt, kommt mir vor. Also da war es noch bisschen schwieriger. Und meine Familie war trotzdem für mich da. Aber sie haben es halt nicht verstanden und jetzt verstehen sie es natürlich schon viel besser. Es ist natürlich ein Prozess und wie ich schon erwähnt habe, ich habe manche ganz, ganz enge Freunde und Freundinnen, die haben das jetzt alles mit mir durchlebt und die sind natürlich jetzt ganz, ganz eng. Also das ist ein ganz enger Circle, weil mit denen bin ich halt durch die Hölle durchgegangen und aber was halt automatisch passiert oder worum ich mich auch kümmere, ist, dass ich neue Freundschaften entwickle mit Menschen, mit denen ich auf einer Wellenlänge bin. Ja, also man verändert sich ja ständig. Das heißt, Freundschaften verändern sich auch. Also ja, es war im Berufsleben zum Beispiel meine Firma hat nicht gut reagiert, die haben das überhaupt nicht verstanden. Da wurde dann einfach der Vertrag nicht verlängert und ich war weg. Also eher so eine gemischte. Aber schwierig Ist natürlich schwierig, mit diesen Dingen in die Öffentlichkeit zu gehen.
00:31:32: Natalia: Gibt es etwas, was du dir vielleicht sowohl vom Arbeitsumfeld, aber auch privaten Umfeld gewünscht hättest, was dir gefehlt hat?
00:31:40: Verena: Ja, Verständnis. Also einfach Verständnis. Und auch deswegen tue ich auch das, was ich tue. Weil es fehlt uns an Wissen. Es fehlt uns an Bewusstsein. Also wir wissen ja nicht, wie gehen wir um mit jemandem, der ein Alkoholproblem hat, weil solange wir alle trinken, sind alle happy. Und sobald dann jemand rausfällt aus dem, verurteilen wir diese Person. Also wir sind dann plötzlich diese Dieser Mensch ist plötzlich weg vom Fenster. Oder auch in eine Reha gehen ist ja auch extrem tabuisiert. Das heißt, das ist genau das, was ich versuche jetzt ein bisschen aufzulockern und zu enttabuisieren. Und das hat mir gefehlt, weil ich habe mich geschämt. Ich habe mich ganz, ganz alleine gefühlt. Ich war wirklich ein Häufchen Elend. Ich habe wirklich geglaubt, ich habe versagt. Aber auf jeder Ebene, ja, ich war dann Single, arbeitslos. Ich war depressed und alkoholsüchtig und saß in einer Rehaklinik. Und dieses Versagen und wie man auch von da eben von dem Umfeld dann als Versagerin abgestempelt wird, das machte die Heilung schwieriger, weil hätte jemand gesagt „Verena, das ist toll, was du machst, dass du dich traust, dich dem zu stellen, dass du Hilfe holst, dass du in die Reha gehst. Das ist mutig, das ist toll. Du kannst stolz auf dich sein.“ Na ja, es klingt ganz anders, oder? Und da müssen wir ganz viel daran arbeiten, dass wir Menschen helfen, eine Sucht zu überwinden. Dass wir für sie da sind. Dass es Anlaufstellen gibt. Gibt es ja schon. Auch in Wien gibt es tolle Anlaufstellen. Aber dass das öffentlicher ist, dass das eine gute Sache ist und noch als Nebensatz eine Sucht, kommt ja nicht einfach so und ist nicht einfach ein persönliches Versagen, sondern vielleicht ist irgendwas passiert in der Kindheit. Oder vielleicht bin ich traumatisiert. Also ich bin ja nicht schuld an meiner Sucht, sondern ich habe dieses Sucht und es ist ganz wichtig, dass ich lerne mit ihr umzugehen und sie zu lösen. Irgendwie ja. Also da ist ganz, ganz viel zu tun, finde ich.
00:33:55: Natalia: Das heißt eigentlich, was wir heute so mitgeben können, ist dieses Ermutigen. Hast du gesagt, das Stichwort, dabei zu sein, dabei zu bleiben. Wenn es jemanden im Umfeld gibt, der vielleicht alkoholkrank ist.
00:34:07: Verena: Verständnis zeigen, also auch zu sagen Hey, okay, weißt du was, ich bin für dich da, Ich verstehe dich vielleicht nicht oder ich check nicht, was hier abgeht, aber ich bin für dich da. Oder an der Hand nehmen und sagen Sollen wir gemeinsam zum Arzt gehen? Zur Ärztin? Also wenn jemand sich nicht traut oder, zu den Anonymen Alkoholikern oder schon allein, wenn jemand kommt und mit dir redet und sagt Hey, ich trink so viel, dass man sagt okay, ich nehme dich jetzt in den Arm und ich bin da für dich und nicht: Oh mein Gott, das ist ja furchtbar Und geh weg, oder Dann darfst du nicht mit Party machen, oder? Keine Ahnung. Also, das müssen wir umkehren, dass wir für die Menschen da sind. Auch wenn wir es nicht verstehen. Wir können uns nicht alle ständig damit auseinandersetzen, aber wir können Verständnis zeigen.
00:34:57: Natalia: Also man könnte eigentlich meinen, du hast es rausgeschafft. So provokant gesagt: in deinem Buch ist es ja so, dass die Protagonistin, bevor sie in Therapie geht, oft schreibt „Ich bin geheilt“ oder „Ich sei geheilt“. Sie glaubt es zumindest. Wie ist das heute bei dir? Du hast erzählt heute. Du bist noch immer in Therapie. Würdest du sagen, du bist genesen?
00:35:20: Verena: Das ist eine knifflige Frage. Ich glaube, der Weg hört nie auf. Also, man ist, ich bin nicht genesen und geheilt und ein Hackerl dahinter und das war's. Für mich wird das immer ein Prozess sein, dass ich mich mit mir selbst auseinandersetze. Dass ich immer schaue, wie geht es mir? Ich bleib vielleicht jetzt nicht ewig in Therapie, aber kann ja sein, dass ich ein halbes Jahr Pause mache und dann mir denke: Oh ja, da hapert es irgendwo. Ich geh jetzt wieder zurück in Therapie. Ist ja nichts dabei. Das heißt, ich würde nicht sagen, ich bin geheilt. Aber was ich sehr wohl sagen würde ist, ich habe es aus der Alkoholsucht geschafft. Also wie gesagt, vier Jahre sind es jetzt und es ist eigentlich also das kann man nicht vergleichen mit den ersten ein, zwei Jahren, wo es einem wirklich nicht so gut geht und wo es wirklich, also wirklich schwierig ist, da will ich nicht lügen. Das ist nicht etwas, was man in ein paar Monaten abgewickelt hat. Und dennoch, auch da passe ich sehr auf, weil ich habe zum Beispiel letztlich in der Therapie etwas herausgefunden, eine Kiste geöffnet, sagen wir mal so, und da ging es mir dann kurzzeitig sehr schlecht und ich merke dann, ich habe dann schnell mal das Gefühl, boah, ich hätte jetzt gerne Flasche Wein oder eine Flasche Wein wäre jetzt easy, weil würde ich jetzt ein paar Gläser trinken, wäre das weg. Der Schmerz, weil es kommen Schmerzen hoch in der Therapie, dass es so läuft das leider Gottes. Ja es nicht immer alles Sunshine und Rainbows. Und dann merke ich auch aha, das ist da, das ist sehr alt. Aber es gibt es noch dieser, dieser Mechanismus so der Alkohol würde mich jetzt retten und dann merke ich okay, passt was, was brauche ich? Brauche ich ein Glas Wasser? Das? Gehe ich zum Yoga, Gehe ich joggen, rufe ich jemanden an, der Freund Freundin, der mir helfen kann. Family. Wie auch immer, ich habe jetzt einfach so eine riesen Toolbox und so viele andere Dinge, dass ich dann eben nichts zum Wein greifen müsste. Aber ich glaube auch, die Alkoholsucht wird mich ein Leben lang begleiten. Das klingt jetzt ein bisschen blöd, aber ist auch irgendwie das größte Geschenk, weil ich dadurch diesen Weg begonnen habe. In dieses, in die Selbsterkenntnis, in die Selbstliebe. Also das ist so ein großes Geschenk, dass ich jetzt nüchtern bin und das ist mir so gut geht und, dass ich das machen darf, was ich gerade auch mache.
00:37:58: Natalia: Ich glaube, wir bleiben noch immer beim Stichwort Druck. Ich glaube auch da beim Wort Genesung oder Heilung, die es ja per se eigentlich vielleicht gar nicht so gibt, müssen wir den Druck rausnehmen, dass wir vielleicht einmal eine psychische Erkrankung haben in unserem Leben und wir immer wieder lernen, damit umzugehen. Und es kann Phasen geben, wo es uns schlechter geht wieder, und wo besser, aber vielleicht diesen Druck auch rauszunehmen, ja das komplett wegschieben zu wollen, weghaben zu wollen. Ich glaube du hast gesagt das gelernt damit umzugehen. Du hast Tools, die jetzt dein Leben schönmachen, die dich jetzt glücklich machen und gleichzeitig bist du noch immer in Therapie und es gibt Phasen, die wieder schwieriger sein können.
00:38:42: Verena: Ja, und die kommen. Schwierigere Phasen kommen immer. Das Leben ist ja nicht einfach nur easy peasy, aber es wäre ja auch langweilig. Also es kommen Herausforderungen und die, die gilt es zu akzeptieren. Ja, das ist auch ein das sage ich jetzt gerade so einfach: einfach ist es nicht. Ja, aber absolut. Auch den Druck rausnehmen und auch also das wünsche ich natürlich niemandem. Aber ich weiß auch, hätte ich einen Rückfall. Ja, das ist immer so, diese große Angst kann jedem passieren. Dann habe ich auch ein Netz, wo ich weiß okay, ich weiß, ich darf zurück in diese Reha. Zum Beispiel gesagt: wenn was ist, Verena, rufst du an und du kommst. Dann habe ich eben meine Therapeutin, die ich anrufen kann. Also es gibt schon Maßnahmen, die ich gesetzt habe, dass ich weiß, okay, wenn mir was passieren sollte oder, wenn ich Fehler mache und ich bin ein Mensch, ich mache Fehler, dann habe ich vielleicht auch einen Plan, wie ich damit umgehen kann. Also wenn ich auch merke, ich hatte eine depressive Phase und war jetzt fünf Tage lang im Bett. Das war ein Beispiel. Ja und hab nur TikTok geschaut oder weiß ich nicht. Auch da kann man wieder rauskommen und sagen okay, das ist passiert und jetzt Reset Button und ich fange noch mal an, ich mache mir vielleicht einen Termin bei einer Therapeutin aus. Was auch immer es ist, sich nicht zu verurteilen dann, wenn man zurückfällt in alte Muster.
00:40:05: Alexandra: Du hast ganz am Anfang gemeint, dass sich dein Körper gemeldet hat beim Burnout, also, dass du körperlich darauf reagiert hast und dann das Krankenhaus gefahren bist. Du hast jetzt vom Notfallplan geredet. Wenn wir jetzt kurz auf deinen Genesungsweg, auf deinen ganz persönlichen Genesungsweg zurückblicken, wo würdest du sagen, was war denn so der erste Schritt, wo du sagst: Da habe ich wirklich gesagt, jetzt hole ich mir Hilfe? Und was war der erste Schritt, um diese Hilfe auch zu holen?
00:40:36: Verena: Also als das Burnout eingeschlagen hat. Dieser, dieser eine Tag, da war ich schon in Therapie, weil ich war wegen Liebeskummer in Therapie. War natürlich nicht eigentlich nur eine vorgeschobene Sache, glaube ich. Aber egal. Und da war ich quasi dann bei einer Therapeutin. Ich glaube, die hat das alles schon geahnt, dass zum Beispiel der Alkohol ein großes Problem ist. Und da ging das dann im Burnout hin und her. Also Angstattacken, dann wieder trinken gehen, dann wieder Angstattacken, dann eben bei meiner Mutter wohnen. Dann also hin und her und hin und her und der Moment, glaube ich, wo ich wirklich das erste Mal zu mir gestanden habe und wo ich wirklich dann gewusst habe, This is it. Jetzt entscheide ich mich für mich, war, als ich zugesagt habe, in diese Alkohol Reha zu gehen. Also das war dann so, weil da gab es auch welche, die meinten das brauchst du nicht und das war auch ein sehr sehr scary Schritt, weil das ebenso stigmatisiert ist, in eine Reha zu gehen. Also das ist ja dann wirklich Rock Bottom, oder? Also wenn du dann, wenn du in eine Reha gehst, hast du wirklich versagt und ich habe für mich entschieden so, ich geh jetzt stationär drei Monate in eine Klinik und das war eigentlich ein Akt von sehr großer Selbstliebe, dass ich das gemacht habe. Und da hat alles angefangen, würde ich sagen.
00:42:02: Natalia: Kannst du dich daran erinnern, wie es für dich war eine Diagnose zu erhalten? Hast du gleich eine überhaupt eine Diagnose erhalten? Welche war es? Wie war das für dich?
00:42:11: Verena: Also die erste Diagnose kam glaube ich, ein Monat, also ich war schon einen Monat im Krankenstand, und die Diagnose war Burnout, mittelgradige Depression, Angstattacken und Rückenschmerzen oder so irgendwie. Es war für mich eine Erleichterung, weil ich ja total neben mir stand und auch nicht zurück in die Arbeit konnte. Also beim besten Willen nicht. Also es war eine Mischung. Es war zum einen Erleichterung und auch ein nicht-wahrhaben-wollen. Ich habe mir gedacht passt, ich habe die Diagnose, das heißt, ich kann das jetzt in die Arbeit schicken und ich muss jetzt nicht in die Arbeit, aber es war eigentlich so ein na, ich habe das nicht, weil ich kann sowas nicht haben, und ich bin ja auch ganz normal, es ist ja alles ganz normal. Wenn ich jetzt zurückdenke, dann war gar nichts normal, aber in dem Moment dachte ich: Nein, ich nicht. Und ich habe auch gedacht Oh Gott, ich spiele das vielleicht nur vielleicht spiel ich das alles nur. Also ich bin nicht im Burnout, sondern ich tu nur so und ich muss eigentlich in die Arbeit. Also eine Mischung aus verschiedenen Gefühlen war das. Und das Burnout zu akzeptieren hat sehr lange gedauert, Monate. Also und auch natürlich eine Alkoholsucht zu akzeptieren dauert auch ewig lang, weil in Wien ist es ja absolut normal am Wochenende sehr, sehr viel zu trinken und unter der Woche ein paar Spritzer. Also diese Diagnosen zu akzeptieren, das ist ein sehr langer Prozess. Ja.
00:43:47: Alexandra: Also wir haben den Begriff normal und es ist ein bisschen schwieriger Begriff. Wir wissen alle nicht ganz genau, was das heißt und es baut auch wieder ein Druck auf. Ja, aber wie du sagst, ist es üblich in vielen Umfeldern, auch in vielen Altersgruppen, dass Alkohol getrunken wird, vielleicht sogar üblicher ist, dass kein Alkohol getrunken wird. Du hast vorhin gemeint, er wird dir auch immer noch angeboten, obwohl Menschen wissen, dass du nicht mehr trinkst. Wie einfach ist denn heute das Nein sagen?
00:44:16: Verena: Ja, für mich wird es immer einfacher. Aber das ist aufgrund von jahrelanger Therapie. Also man weiß auch, dass Menschen, die suchtgefährdet sind oder auch Menschen, die Burnout gefährdet sind, oftmals ein Problem mit dem Nein sagen haben, also nicht wirklich nein sagen wollen. Und da habe ich auch dazu gehört. Ich war auch eine ganz klassische People Pleaserin, also im Sinne von ich wollte es einfach immer allen recht machen und das habe ich einfach jetzt, also das ist ein Lernen, dieses Nein sagen. Und je öfter man das übt, dass man Nein sagt, desto einfacher fällt es einem. Und auch da würde ich sagen, bin ich noch auf einem Weg, weil immer noch sage ich sehr gerne ja. Das ist auf jeden Fall ein Prozess. Da hast du auch auf jeden Fall recht mit dem normal-Begriff, üblich, wie auch immer, in Wien ist es gängig auch, oder? Also in Wien kommt man oftmals in eine Situation, wo viele Menschen trinken. Und zum einen bin ich natürlich nicht mehr so oft eben in Bars findest du mich jetzt nicht mehr, weil was mache ich in einer Bar? Spät abends ist es irgendwie unsinnig, aber ich gehe trotzdem sehr gerne auf Events oder was auch immer, Partys usw. Und mittlerweile ist es so, dass dann ein Nein mir sehr leicht fällt, weil es so ein starker Teil von mir ist, dass ich nicht trinke. Also es ist einfach, ja eingebrannt in meinen Kopf, dass ich das ich zu einem Alkohol nein sagen würde, ja. Das ist ein Prozess. Da darf man auch nicht den Mut verlieren, wenn es einem am Anfang schwierig fällt, weil es wird immer leichter. Also wenn am Anfang ist sehr schwer ist Nein zu sagen zu einem Bier, macht nix. Das heißt, man lernt gerade ur viel, also ist es voll okay. Das darf echt auch manchmal ein bisschen schwierig sein. Das wird immer besser.
00:46:10: Natalia: Das hat sich ja wahrscheinlich über die Zeit auch entwickelt. War es am Anfang dann so, dass du auch die Situationen gemieden hast und dann immer weniger? War das eine Strategie?
00:46:19: Verena: Ja, ganz genau. Also ich würde auch sagen, so das erste ganze Jahr habe ich sogar Abendessen vermieden, weil ich musste mich schützen. Das ist auch okay. Also ich war schon recht einsam, auch in diesem ersten Jahr. Aber jetzt eben, es wird von Jahr zu Jahr besser und jetzt eben Partys oder was auch immer es ist, stören mich nicht. Ganz im Gegenteil, ich möchte auch wieder am Leben teilnehmen, auch abends. Aber das ist ein Prozess und es wird immer besser und auch da nicht zu streng mit sich sein. Wenn im ersten Jahr mal es einfach nicht klappt und man vielleicht eben nicht mitmachen möchte auch und sich denkt ich will jetzt Netflixen und im Bett liegen, ja dann. Mach das. Mach es. Es ist auf jeden Fall gesünder als sich an zu saufen, in der Bar. Ist so.
00:47:07: Natalia: Das heißt du hast über die Zeit einfach auch gelernt, deine Risikosituationen kennenzulernen und wie du damit umgehst. Und es fällt einfach immer leichter. Aber es braucht einfach ganz viel Zeit.
00:47:20: Verena: Es braucht Zeit. Also da brauchen wir uns nichts vormachen. Es braucht Zeit, das Leben zu ändern. Wenn man zum Beispiel jemand ist, der fünf Mal die Woche trinkt, dann ist das ja schon sehr in ihm im Umfeld integriert. Dann dauert es einfach Zeit, das wieder zu lösen. Eben zum Beispiel jemand, der nicht süchtig ist und gerne ab und zu mal trinkt, ist auch die Frage einfach hinterfragen. So: wie oft trinke ich eben in der Woche? Ist es ungesund? Brauch ich den Alkohol um zu entspannen? Ist auch eine wichtige Frage, weil jemand der zweimal im Monat ein, zwei Gläschen trinkt, da bin ich nicht die Polizei hier, aber, darauf zu achten einfach ja, wie geht es mir damit und was kann ich mir anderes Gutes tun? Ja, da sind wir wieder bei den Hobbys. Was nichts bringt, ist eben nur, den Alkohol wegzunehmen und nichts zu tun. Es ist ganz wichtig, schöne Dinge zu tun. Schöne neue Dinge. Das ist so.
00:48:24: Alexandra: Das ist denn ein sehr schöner Schlusssatz, würde ich auch sagen. Wir haben nämlich heute über ein paar wichtige Themen geredet. Wir haben über deine ganz persönliche Geschichte geredet. Wir haben über Burnout gesprochen, über Alkoholerkrankung, wir haben über Scham und Stigma, über Schuld auch gesprochen, über Selbstliebe und Selbstwert. Wie wichtig das ist, über die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkohol und vor allem auch über die Tools, die du so in deinem täglichen Leben integriert hast.
00:48:54: Alexandra: Habe ich etwas Wichtiges vergessen?
00:48:56: Natalia: Nein. Ich finde es ganz schön, dass es tatsächlich eben um viele Tools ging, um das sich selbst kennenlernen, auch den Druck rauszunehmen, Sachen auszuprobieren und zu schauen, welche Alternativen habe ich dann zum Alkohol zum Beispiel, wenn der wegfällt und wie ersetzt ich das und wie kann ich schauen, dass es mir gut geht?
00:49:16: Alexandra: Danke, dass du deine Geschichte mit uns teilst, Verena. Gibt es noch einen letzten Tipp? Eine Message? Etwas, was du unseren Zuhörerinnen sehr gerne mitgeben würdest?
00:49:24: Verena: Ähm, ja. Vielleicht. Also vielen Dank auch, dass ich hier sein durfte. Es war ein super schönes Interview und ja, ich würde gerne abschließend schon noch mal sagen: Schäm dich nicht. Also egal was es ist also wurscht ob jetzt Alkohol was Anderes oder es dir schlecht geht, ja. Sprich mit jemandem drüber, weil wir sitzen alle im selben Boot und jeder hat Struggles wirklich, auch wenn sie es nicht zeigen auf Instagram oder TikTok. Jeder und jede hat irgendetwas, was sie vielleicht belastet. Und das weiß man gar nicht, wie viel Hilfe man bekommen kann, wenn man sich ein bisschen öffnet und die Scham ein bisschen in den Hintergrund stellt und mit jemandem redet. Also das ist der erste und allerwichtigste Step. Du bist nicht allein. Hol dir Hilfe, wenn du sie brauchst, weil du wirst sie finden.
00:50:21: Natalia: Sehr schön. Vielen Dank.
00:50:23: Verena: Ja, Danke euch.
00:50:24: Alexandra: Dankeschön.
00:50:31: Alexandra: Es rauscht weiter. Hör in die nächste Folge rein und besuche uns gerne auf Instagram: @_rauschzeit_oder @darüberredenwir. Reden hilft. In Wien ist die Sorgen Hotline Wien für jede Art von Sorgen zwischen 8:00 und 20:00 erreichbar, notiere dir die Nummer 01 4000 53000
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